Wenn es ernst ist — nicht diese Seite, sondern:
112 bei Brustschmerz, Atemnot, plötzlicher Lähmung, einer schweren Verletzung oder wenn jemand nicht mehr ansprechbar ist.
Telefonseelsorge 0800 111 0 111 — rund um die Uhr, anonym, kostenfrei — wenn Gedanken da sind, dir selbst etwas anzutun.
Ärztlicher Bereitschaftsdienst 116 117 für alles, was nicht lebensbedrohlich ist, aber jetzt ärztlich gehört.
Das hier ist Nachschlage-Material, kein Programm. Wenn du gerade einen Weg gehst: Bleib beim Weg — hol dir hier höchstens eine Karte dazu, wenn dich der Weg dorthin schickt oder du neugierig bist.
Jede Karte steht für sich — du musst sie nicht der Reihe nach lesen. Schau dort nach, wo dich gerade etwas betrifft, und leg die Seite wieder weg, wenn du fertig bist.
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Regal 1 · Nervensystem im Alarm
Wenn der Körper auf Alarm schaltet
Drei Karten für die Momente, in denen dein Nervensystem hochgeschaltet hat — Panik, zu schnelle Atmung, oder das Gefühl, weit weg von dir selbst zu sein. Alle drei arbeiten mit demselben Prinzip: dem System zeigen, dass es gerade sicher ist, nicht mit Kämpfen dagegen.
Bis zu 10 Minuten · Bei akuter Panik · Einsteiger
Die Drei-Schritte-Folge gegen Panik
Drei Werkzeuge in einer festen Reihenfolge, jedes spricht eine andere Bremse an: die Augen, den Atem, die Berührung. Zusammen bringen sie viele Panikwellen innerhalb weniger Minuten spürbar runter.
So geht's, in dieser Reihenfolge:
- 1 — Weiter Blick, 20 Sekunden: Den Blick weich machen, nicht fokussieren, an nichts festhalten — so weit sehen wie möglich, mit dem Rand der Augen statt der Mitte.
- 2 — Der doppelte Seufzer, 3×: Zwei kurze Einatmungen hintereinander durch die Nase, dann eine lange, hörbare Ausatmung durch den Mund.
- 3 — Hand aufs Herz mit Erdung, 30 Sekunden: Eine Hand aufs Herz, eine auf den Bauch, Füße fest auf den Boden drücken. Innerlich sagen: „Ich bin hier. Es geht vorbei."
- Wenn die Welle danach noch da ist: von vorn beginnen. Insgesamt darfst du dir dafür ruhig bis zu 10 Minuten und mehrere Runden Zeit geben.
Warum das hilft: Panik ist dein Alarmsystem auf voller Stärke. Augen, Atem und Berührung sind drei unterschiedliche Wege, diesem System zu zeigen, dass gerade keine Gefahr da ist.
Ehrlich: Jedes der drei Werkzeuge für sich ist gut untersucht. Die feste Reihenfolge als Ganzes ist Erfahrungswissen aus der Praxis — sie wirkt bei vielen zuverlässig, ist aber keine einzelne Studie.
Passt zu: Ich komme nicht zur Ruhe
2–5 Minuten · Bei zu schneller, flacher Atmung · Einsteiger
Der Hyperventilations-Stopp
Wenn du zu schnell und zu flach atmest, atmest du zu viel Kohlendioxid ab — das fühlt sich wie Luftnot an, auch wenn genug Sauerstoff da ist. Der Reflex sagt dir: noch schneller atmen. Genau das macht es schlimmer. Langsamer atmen ist die Lösung, so gegenläufig sich das anfühlt.
So geht's:
- Hinsetzen oder hinlegen, nicht stehen bleiben — die Beine können in diesem Moment wackelig werden. Eine Hand auf den Bauch legen.
- 4 Sekunden durch die Nase einatmen, 2 Sekunden halten, 6 bis 8 Sekunden durch leicht gespitzte Lippen ausatmen — wie durch einen dünnen Strohhalm, die sogenannte Lippenbremse. Danach 1 bis 2 Sekunden Pause. 4 bis 6 Wiederholungen.
- Dabei beim Ausatmen leise mitzählen — das gibt dem Kopf etwas zu tun und macht die Ausatmung gleichmäßiger.
- Wenn das nicht reicht: beide Hände wie eine kleine Schale locker vor Mund und Nase halten und einige Minuten in die eigenen Hände atmen. Eine Papiertüte locker davorgehalten geht auch — niemals eine Plastiktüte.
Warum das hilft: Die langsame Ausatmung durch die Lippenbremse baut das Kohlendioxid wieder auf, das dir gerade fehlt — Kribbeln, Schwindel und Enge gehen meist binnen weniger Minuten zurück.
Ehrlich: Gut untersucht und seit Jahrzehnten Standard-Vorgehen bei dieser Art von Atmung.
Wenn du Asthma oder eine Herzerkrankung hast, oder wenn das zum allerersten Mal passiert und du nicht weißt warum: nicht in die Hände zurückatmen, sondern ärztlich abklären lassen.
Passt zu: Ich komme nicht zur Ruhe
3–5 Minuten · Wenn du dich fern oder taub fühlst · Einsteiger
Die Wieder-da-sein-Übung
Für Momente, in denen du wie weggetreten bist — taub, fern, als würdest du dich selbst von außen zusehen. Diese Übung weckt nacheinander alle Sinne, bis dein System nicht mehr wegtreten kann, sondern zurückkommt.
So geht's — sag dir (leise, laut oder nur in Gedanken):
- 5 Dinge, die du siehst — der Reihe nach benennen, egal wie unbedeutend.
- 4 Dinge, die du hörst.
- 3 Dinge, die du spürst — der Stoff deiner Kleidung, die Lehne des Stuhls, der Boden unter den Füßen.
- 2 Dinge, die du riechst.
- 1 Ding, das du schmeckst. Wenn bei einem Punkt nichts kommt — sag ruhig: „Nichts." Das reicht auch.
- Danach zusätzlich die Füße: fest auf den Boden drücken, Zehen ein paarmal krallen und lösen. Oder Kälte: die Hände kurz unter kaltes Wasser halten oder etwas Kühles anfassen — ein Fenstersims, ein kaltes Glas.
Warum das hilft: Wegtreten ist ein Aussetzen der Wahrnehmung. Wenn du alle Sinne gleichzeitig aktiv ansprichst, kann dein System nicht gleichzeitig wegtreten — es kommt zurück in den Raum.
Ehrlich: Diese Erdungs-Übung ist seit Langem breit erprobt und wird häufig genutzt, wenn jemand sich fern oder überflutet fühlt.
Passt zu: Meine Gedanken machen mich fertig
Regal 2 · Körperlicher Schmerz
Wenn es körperlich wehtut
Zwei Karten für akute Schmerz-Spitzen — der plötzlich blockierte Rücken oder Nacken, und die beginnende Migräne. Beide lassen sich selten in Sekunden auflösen, aber oft in wenigen Minuten spürbar entschärfen.
2–5 Minuten · Bei akutem Rücken- oder Nackenschmerz · Einsteiger
Der akute Schmerz-Reset
Vier Dinge zusammen, in dieser Reihenfolge: die richtige Position, ein langer Atem, kleine Bewegung innerhalb der Schmerzfreiheit, und Wärme. Der Schmerz selbst geht dabei oft nicht ganz weg — aber er wird kleiner.
So geht's:
- Position: Nicht die Haltung suchen, die am wenigsten wehtut, sondern die, die gar nicht wehtut. Probier langsam: Seitenlage mit angezogenen Knien, Stehen mit leicht gebeugten Beinen, oder ein paar vorsichtige Schritte. Bleib in der Haltung, die schmerzfrei ist.
- Atem: Dort 4 Sekunden durch die Nase einatmen, 8 Sekunden ausatmen, 4 bis 6 Wiederholungen. Der lange Ausatem beruhigt das Alarmsystem, das den Schmerz lauter macht, als er sein müsste.
- Bewegung in der Schmerzfreiheit: Von dort aus minimal weiterbewegen — das Becken sanft kippen, den Kopf ein Stück drehen — immer nur so weit, wie es schmerzfrei bleibt. Kleine Bewegung hilft meist mehr als komplettes Stillhalten.
- Wärme: Wärmflasche oder eine warme Dusche 10 bis 15 Minuten auf die Stelle, während du die kleine Bewegung fortsetzt.
- Optional dazu, innerlich gesprochen: „Mein Körper schickt gerade ein Alarmzeichen, kein Gefahrenzeichen." Manchen hilft dieser Satz, das System zusätzlich zu beruhigen.
Warum das hilft: Eine akute Blockade ist meist ein übertriebener Schutzreflex der Muskulatur, kein Schaden. Bewegung innerhalb der Schmerzfreiheit signalisiert dem System: hier ist es sicher.
Ehrlich: Dass Schmerz-Neuroedukation — also verstehen, dass Schmerz ein Alarmsignal und kein Schadensbeweis ist — den erlebten Schmerz senken kann, ist gut untersucht. Wärme und langsamer Atem bei Muskelverspannung ebenfalls.
Nicht diese Karte, sondern Arzt oder 112: bei neuem Brustschmerz, plötzlichem, heftigstem Kopfschmerz, Taubheit, Lähmung oder Sprachstörung, bei Schmerz nach einem Sturz mit sichtbarer Verformung oder starker Schwellung, oder bei Schmerz zusammen mit Fieber und Nackensteifigkeit.
Passt zu: Ich habe Schmerzen
Bei den ersten Anzeichen · 15–30 Minuten Handlungsfenster · Für Menschen mit bekannter Migräne
Akute Migräne — die ersten Minuten nutzen
Wenn du deine Migräne kennst und die ersten Zeichen erkennst — eine Sehstörung, Lichtblitze, ein bestimmtes Ziehen — hast du oft ein kurzes Fenster, in dem sich der Anfall noch beeinflussen lässt. Je früher du handelst, desto mehr bringt es meist.
So geht's:
- Dunkel, kühl, still: Den Raum abdunkeln, wenn möglich hinlegen. Auslöser wegnehmen — hellen Bildschirm aus, Lärm weg, starke Gerüche meiden.
- Kälte in den Nacken: Ein kühles, feuchtes Tuch oder ein Kühlpack 15 bis 20 Minuten in den Nacken oder über die Augen legen.
- Atem: Langer Ausatem — 4 Sekunden ein, 6 bis 8 Sekunden aus, 4 bis 6 Wiederholungen. Das nimmt Druck aus dem Nervensystem.
- Ein großes Glas Wasser trinken — Flüssigkeitsmangel ist ein häufiger Auslöser.
- Optional: etwas ätherisches Pfefferminzöl, mit einem Trägeröl verdünnt, sanft auf die Schläfen einmassieren.
Warum das hilft: Migräne ist eine neurologische Erkrankung — Dunkelheit, Kälte und ruhiger Atem helfen dem überreizten Nervensystem, statt gegen es anzukämpfen.
Ehrlich zu Koffein: Bei manchen lindert eine kleine Menge Koffein einen beginnenden Anfall, bei anderen ist Koffein selbst ein Auslöser. Probier das nur aus, wenn du deine eigene Reaktion darauf schon kennst. Ehrlich zur Wirkung: Pfefferminzöl auf der Haut ist bei Spannungskopfschmerz gut untersucht, bei Migräne ist die Studienlage kleiner, aber vielversprechend.
Nicht diese Karte, sondern Arzt oder 112: bei erstmaligem, ungewohntem Kopfschmerz, plötzlichem, heftigstem Kopfschmerz, Fieber mit Nackensteifigkeit, neurologischen Ausfällen oder Kopfschmerz nach einem Sturz oder Schlag auf den Kopf.
Passt zu: Ich habe Schmerzen
Regal 3 · Wenn Gefühle groß werden
Wut und Tränen — beide dürfen da sein
Zwei Karten für die Momente, in denen ein Gefühl größer wird, als du gerade tragen kannst — Wut, die raus will, und Tränen, die kommen. Beide sind kein Zeichen, dass etwas kaputt ist. Beide brauchen vor allem eines: einen Weg, statt eine Bremse.
5 Minuten · Bevor Worte fallen, die du bereust · Einsteiger
Akute Wut sicher entladen
Wut ist eine körperliche Energie, kein Charakterfehler. Sie will raus — am besten durch den Körper, nicht durch Worte, die du hinterher bereust und nicht mehr zurücknehmen kannst.
So geht's:
- 1 — Raus aus der Situation: „Ich brauche fünf Minuten, ich bin gleich wieder da." Geh in einen anderen Raum, nach draußen, ins Bad oder Auto.
- 2 — Energie loswerden, 3 bis 5 Minuten: Wand-Drücken — beide Hände flach gegen eine Wand stemmen, mit voller Kraft drücken, 10 Sekunden halten, lösen, 5-mal wiederholen. Oder: auf der Stelle stampfen, in ein Kissen boxen oder hineinschreien, ein Handtuch mit beiden Händen fest wringen.
- 3 — Übergang, 1 Minute: Hinsetzen, 4 Sekunden ein, 8 Sekunden aus, 6 Wiederholungen. Eine Hand aufs Herz, dann ein Glas Wasser trinken.
- 4 — Danach fragen: Was hat sich gerade verletzt gefühlt? Was ist meine eigentliche Grenze hier, die gerade überschritten wurde?
Wichtig: nur gegen Kissen, Wand, Boden oder Handtuch — nie gegen einen Menschen oder ein Tier. In Gegenwart von Kindern lieber woanders entladen, sie spüren die Energie mit.
Warum das hilft: Wut ist eine Mobilisierungs-Energie deines Körpers. Wenn sie durch Bewegung abfließt, statt unterdrückt oder unkontrolliert herauszubrechen, kannst du danach wieder klar denken und reden.
Ehrlich: Dass Bewegung Anspannung und Stresshormone senkt, ist gut belegt. Ob Boxen ins Kissen die Wut selbst reduziert, ist in der Forschung uneinheitlich — manche Studien zeigen sogar das Gegenteil, wenn dabei aggressive Gedanken mitlaufen. Der Rat hier lautet deshalb: Energie abgeben, ohne dabei gedanklich gegen eine Person zu „kämpfen" — und Schritt 4 nicht auslassen.
Passt zu: Wir kommen nicht mehr zusammen
Erlaubnis, keine Übung · Bei dir selbst oder neben jemandem, der weint
Weinen halten, statt es wegzumachen
Weinen ist Verarbeitung, kein Notfall. Diese Karte hat keine Schritte mit Sekunden — sie ist eine Erlaubnis und eine Haltung, für dich selbst oder für jemanden, der neben dir weint.
So geht's:
- Erlaubnis: Tränen müssen nicht sofort aufhören. Sie dürfen da sein, solange sie da sein wollen.
- Wenn jemand bei dir ist oder du bei jemandem bist: schweigen statt trösten-wollen, nicht „ist schon gut" sagen, nicht erklären. Einfach da sein, hörbar ruhig atmen — das steckt an.
- Wenn du allein bist: hinsetzen oder hinlegen, ein Taschentuch griffbereit legen. Du musst dir nichts erklären, auch dir selbst nicht, nicht jetzt.
- Wenn es leiser wird: eine Hand aufs Herz, eine auf den Bauch, ruhig weiteratmen. Danach: ein Glas Wasser, kurz an die frische Luft oder ans Fenster.
Warum das hilft: Tränen bei echter Rührung oder Trauer haben eine andere Zusammensetzung als die alltäglichen Schutz-Tränen der Augen — dein Körper baut damit tatsächlich etwas ab.
Ehrlich: Gut untersucht, dass Weinen Anspannung abbaut. Dass „Raum geben, ohne zu unterbrechen" hilfreicher ist als Trösten-Wollen, ist in vielen Ansätzen zur Begleitung von Gefühlen Standard.
Passt zu: Ich fühle mich nicht genug
Mein Sicherheitsplan
Ein Plan für schwere Momente
Es gibt Momente, in denen alles zu viel wird — und Gedanken kommen, die dir selbst Angst machen. Diese Karte ist kein Formular für den Ernstfall selbst, sondern eine Vorbereitung, die du an einem ruhigen Tag machst, damit sie im Sturm schon fertig daliegt. Du musst nichts davon auswendig können — nur wissen, wo diese Seite liegt.
Zum Ausdrucken · zum Ausfüllen · griffbereit aufbewahren
Mein Sicherheitsplan
Meine Warnzeichen
Gedanken, Gefühle oder Situationen, die mir zeigen: jetzt wird es eng.
Was mir kurz hilft
Bewegung, Musik, ein Anruf, ein Spaziergang, kalt duschen …
Menschen, die ich anrufe
Zwei oder drei Namen mit Nummer.
Orte, die mir guttun
Irgendwo, das ablenkt — ohne dass du reden musst.
Telefonseelsorge
0800 111 0 111
Rund um die Uhr, kostenfrei, anonym. Kein Grund für den Anruf ist zu klein.
Wenn es gerade akut gefährlich ist
Notruf 112
Du musst dann nichts erklären können — nur anrufen.
Diesen Plan drucken
Diesen Plan füllst du an einem ruhigen Tag aus — nicht im Sturm.
Damit du weißt, woran du bist
- Gut belegt: der doppelte Seufzer, der lange Ausatem, die Wieder-da-sein-Übung mit den fünf Sinnen und Wärme bei akuter Muskelverspannung — jedes für sich gut untersucht und breit erprobt.
- Plausibel, weniger hart belegt: feste Reihenfolgen wie bei der Panik-Karte, Pfefferminzöl bei Migräne, Wut-Entladung durch Bewegung. Hier ist die Wirkung von Mensch zu Mensch unterschiedlicher, und die Forschung dazu ist kleiner oder gemischt.
- Was diese Karten nicht können: eine Krise ersetzen, die ärztliche oder therapeutische Hilfe braucht, oder eine Diagnose stellen. Wenn sich etwas hier oft wiederholt oder größer wird als der einzelne Moment — das ist ein Zeichen, hinzuschauen, nicht ein Versagen dieser Seite.
- Keine Garantie — aber eine gute Wahrscheinlichkeit, dass eines dieser Werkzeuge dir hilft, besonders wenn du es schon geübt hast, bevor der Ernstfall kommt.